Totgesagte sterben länger

“Der SFCV”, so hieß es bisher von Schalkes Vereinsführung, sei “der erste Ansprechpartner in Sachen Fanbelange.” Vielleicht sollte sie jetzt doch anfangen umzudenken.

Nein, das soll jetzt kein SFCV-Bashing werden. Man tanzt nicht auf anderer Leute Gräber, auch dann nicht, wenn sie es sich selbst geschaufelt haben. Dass der Verband am Boden liegt, ist offensichtlich genug. Mehr als 100.000 Mitglieder, selbsternannter Vertreter der Interessen aller Fans, Busse, die Wahlvolk zu den Urnen fahren sollen und Wahlwerbung durch den Verein – und im Ergebnis nicht einmal genug Stimmen, um die eigenen Vorsitzenden in den Wahlausschuss zu bekommen. Tiefer kann man nicht am Boden liegen, da muss man nicht nachtreten.

Lernen sollten Vorstand und Aufsichtsrat des S04 einiges daraus. Zum einen, dass der Schalker nicht so doof ist, wie man wohl geglaubt hat: Die reichlich plumpe Wahlwerbung für den SFCV scheint sich wohl den gegenteiligen Effekt gehabt zu haben. Viagogo zuerst und jetzt der Ausgang der Wahlen: Der SFCV vertritt nicht (mehr) die Interessen der Mehrheit der Fans. Zumindest nicht derjenigen, die ihrer Meinung Stimme verleihen, und sei es per elektronischer Wahl. Das ist die andere Lektion: Erster Ansprechpartner gerne, rein aus räumlicher Nähe und weil Termine leichter zu finden sind, aber eben nur in zeitlicher Reihenfolge. In der Priorität sind die anderen Säulen an die gleiche Position gerückt: Ultras Gelsenkirchen, Supporters Club, Schalker Fan-Initiative und die übrigen, die sich bei “Schalke.V.ereint” organisiert haben.

Die Schalker Fanszene ist eben vielschichtig, und sich überflüssigerweise selbst auf die Sektion “Fanclubs” zu beschränken, nicht hilfreich. Am Ende hat man Grabenkämpfe, die man selbst noch befeuert – und eine Wahl, in der die viele Redner sagten, dass sie genau das nicht wollen. Der Vorstand eines Vereins muss einigen, so lange und so weit er kann – und nicht trennen.

Mit der Einigung bei fast allen umstrittenen Anträgen ist da schon ein erster Schritt gemacht – spät, aber doch. Auf diesem Weg sollte der Vorstand weitergehen.